Der Namen unserer Schule – Rückblick auf eine große Tradition

 

Mit dem Namen unserer Schule möchten wir die Leistungen der Ichenhauser Bürger in der Vergangenheit und die der Familie von Stain, die über 270 Jahre die Ortsherrschaft in Ichenhausen inne hatte, würdigen.

 

 

Ichenhausen und die Reichsfreiherren von Stain zum Rechtenstein 

Beitrag von Ernst Friedrich Baron von Stain zum Rechtenstein

 

Dieser Beitrag stellt die Vergangenheit von Ichenhausen, v. a. aber die Geschichte, die Bedeutung und die Leistungen der Familie, deren Namen unsere Schule trägt, vor. Der Text stammt von H. Ernst Friedrich Baron von Stain zum Rechtenstein selber. Er schrieb ihn für die Festschrift zur Einweihung unserer Schule. H. Baron von Stain zum Rechtenstein gab uns am Tag der Einweihung, dem 20. Mai 2006, die Ehre, an der Einweihungsfeier teilzunehmen.

 

 

Ichenhausen und seine Entwicklung wurden von den ersten Ortsanfängen im Jahre 1032 bis 1847, also 800 Jahre, d. h. 24 Generationen lang, stark durch seine adeligen Ortsherren beeinflusst. Zuerst erschien 1032 ein Ritter Manegold von Ichenhausen (ausgestorben 1255). Dann waren 1255 bis 1344 die Edlen von Eberstall (ausgestorben 1305) und von Ellerbach (ausgestorben 1570) Ortsherren. Von 1344 – 1574 regierten die Herren und späteren Freiherren von Roth den Ort. Schließlich waren 1574 – 1847 die Herren und späteren Freiherren und wieder späteren Reichsfreiherren von Stain zum Rechtenstein aus Stain (Stein) a. d. Donau bei Obermarchtal, ab 1358 Rechtenstein genannt, Ortsherren.

 

Im Stadtwappen von Ichenhausen ist links im Andenken an Manegold von Ichenhausen der silberne aufspringende Hund mit goldenem Halsband zu sehen. In Erinnerung an die Freiherren von Roth und an 504 Jahre Zugehörigkeit von Ichenhausen zu Österreich ist der rote Untergrund und rechts das Stain’sche Wappen eingefügt.

 

Im Wappen der Reichsfreiherren von Stain zum Rechtenstein erscheinen die berühmten Wolfsangeln und die rotweißen Grevierungen, die drei Helme, die Pfauenfedern, der Fehdehandschuh und als Zeichen des über 380 Jahre lang dauernden Vorsitzes der reichsfreien Ritterschaft an Donau, Kocher und Lauter die Sturmfahne mit weißroter Grevierung. Genau das gleiche Wappen haben der in Ichenhausen 1766 bis 1808 residierende Graf Johann Nepomuk von Stain und die engsten Verwandten der Stain in Niederstotzingen, die Reichsgrafen von Stain.

 

Die Stain nennen sich sowohl „von“ als auch „vom“ Stain und im 13. bis 15. Jahrhundert teilweise auch „Stein“. Um Verwechselungen mit der Familie des nicht verwandten preußischen Staatsmannes und Reformators Karl Reichsfreiherrn vom Stein (1757-1831) und den ebenfalls nicht verwandten Herren von Stein in Sachsen (etwa Goethe´s Frau Charlotte von Stein) zu vermeiden, schreiben sich die Stain seit langem mit „von“ und „ai“.

 

Nach Berichten des Klosters Wettenhausen schenkte ein Ritter Manegold von Ichenhausen 1032 dem Kloster einen Halbhof. Die Edlen von Eberstall waren „recht aufmüpfig“ gegen die Landesherren, wenn diese ihre Macht spüren ließen und natürlich höhere Abgaben verlangten. 1268 verweigerte Konrad von Eberstall mutigerweise sogar gegenüber Herzog Ludwig von Bayern die sog. Huldigung, d. h. den Untertaneneid, was er erst sehr spät (1286) nachholte. Die Edlen von Ellerbach (Verwandte der Stain) waren ebenfalls mit der Eindämmung der landesherrlichen Rechte, sprich Abgaben, befasst. Heinrich Edler von Ellerbach und sein Bruder Konrad verkauften 1372 den Brüdern Konrad und Ulrich Edlen von Roth den Besitz Ichenhausen (ebenfalls Verwandte der Stain).

 

Als erster Vertreter der Edlen und späteren Freiherren von Roth wird 1170 Hartwig genannt. 1258 treten Wolfhart und Gozzals Roth auf. Die Roth waren sodann laufend in kirchlichen Ämtern. 1288 – 1302 war Wolfhart Edler von Roth sogar Bischof von Augsburg. Besonders aber die Zeit ab ca. 1475 vor der Reformation (1517) und diese selbst brachten für lange Zeit sehr viel Unruhe und Schäden nach Ichenhausen. Besonders der 1525 als Folge der Reformation auftretende, furchtbare Bauernkrieg mit all seinem Blutvergießen und seinen Verwüstungen hatte die Ichenhausener und ihre Ortsherren verarmt und geschwächt.

 

Wie grauenvoll die Verhältnisse in Ichenhausen waren, mag Folgendes belegen: Glücklicherweise schlossen sich nur 39 Ichenhausener Bauern (von 459 Einwohnern) den aufständischen Bauern in Leipheim an. Nur 6 kamen lebend zurück. Von diesen wurde einer durch den Scharfrichter des Schwäbischen Bundes aufgespürt und in Ichenhausen hingerichtet. Die fünf übrigen Bauern wurden auf Fürspräche des Ortsherrn Konrad Roth, der mit Veronika Freiin von Stain verheiratet war, freigekauft.

 

Dennoch gab es folgende Erfolge der bisherigen Ortsherren für Ichenhausen: Aufnahme eines Schulbetriebes (1370), Bau einer Kirche (1392), Erwerb des Marktrechtes (1406) und des Hoch- und Halsgerichts (1465), ab 1543 Ansiedlung von Juden (16 Personen bis 1574), Bau des oberen Schlosses (1566) und bis 1567 die Ermöglichung bzw. Schaffung von insgesamt 110 Wohnhäusern in der Marktgemeinde.

 

1574 verkauften die Freiherren von Roth, die mit den Stain verwandt waren, den Besitz Ichenhausen an den mächtigen und damals größten Grundbesitzer in ganz Schwaben, den Reichsfreiherren Bernhard III. von Stain zum Rechtenstein. Er besaß in Schwaben über 70.000 Hektar und in Polen und Ungarn ca. 100.000 Hektar. Seine katholische, schwäbische Familie war ganz besonders zahlreich und vor allem außergewöhnlich alt, was damals für die Wertschätzung eines Adelsmannes am allerwichtigsten war. Man kann sich die Gedankengänge der Menschen des Mittelalters heute kaum vorstellen: Sie glaubten daran und schwörten förmlich darauf, dass ein Adelsmann, je älter seine Familie war, umso anständiger, gottesfürchtiger und wahrheitsliebender sei. In der Tat konnte sich ein Adelsmann nichts Böses erlauben, wenn er nicht den guten Leumund seiner Familie für mindestens 100 Jahre verlieren wollte.

 

Über das Alter der Stain ist früher laufend und in neuerer Zeit oft gesprochen und geschrieben worden. Anlass hierzu hat immer die geographische Lage der sehr alten, mächtigen Stammburg Stain (auch Stein, heute Rechtenstein) beim Kloster Obermarchtal (gegründet 770) und vor allem nur 800 m entfernt von der ebenfalls riesengroßen, heute völlig zerstörten Altenburg, dem Sitz der alemannischen Herzöge in der Zeit von 451 – 748 gegeben. Die Wiedergabe des Diskussionsstoffes würde ganze Bücher erfordern. Damit aber die Geschichtsfreunde unter den Ichenhausenern und ihrer umliegenden Nachbarn einmal kurz und bündig nachlesen können, wie es nun wirklich um das, wie ein Forscher meinte, „biblische“ Alter ihrer Ortsherrenfamilie Stain bestellt ist, sei hier das Wichtigste wie folgt festgehalten:

 

Für die Bestimmung des Alters einer Adelsfamilie sollte man sich nicht auf den sog. „Gothaer“ verlassen, der in mannigfacher Form sehr viel Unvollständiges und damit Irreführendes aufweist. Aber das Emmeramkloster in Regensburg (gegründet 739 n. Chr.) hat die für die Altersbestimmung des Alters des deutschen Adels älteste und damit wichtigste Urkunde erstellt. In ihr wird die Schlacht am Feilenforst (bei Ingolstadt) im Jahre 727 geschildert, in der schwäbisch-bayerische Ritter unter ihren Anführern Lantfried Herzog von Schwaben und Odilo Herzog von Bayern in einem erbitterten Kampf gegen die Heerscharen von Karl Martell kämpften. Die schwäbisch-bayerischen Ritter verloren fürchterlich. In dem Bericht des Emmeramklosters ist aber eine Liste mit den Namen von 118 in dieser Schlacht gefallenen schwäbischen Rittern enthalten, wie dies 1527 der Erbmarschall des Hl. Römischen Reiches und Domherr zu Augsburg Dr. iuris utriusque Matthäus von Pappenheim in einer Urkunde bestätigt hat. Darunter ist Ritter Lewpollt vom Stain, geboren ca. 695 n. Chr., der damit 727 v. Chr. der erste erwähnte Vertreter des Geschlechts der Stain ist. Aus der Liste der 118 Gefallenen gibt es heute nur noch ganz wenige Namensträger von nur vier Gefallenen, nämlich folgender Ritter: Pettermann von Gundelfingen (späteren Reichsfreiherren und Reichsgrafen von Gundelfingen), Lewpollt von Khuenigsegg (späteren Reichsgrafen von Königsegg), Lewpollt vom Stain (späteren Reichsfreiherren und Reichsgrafen von Stain) und Babo von Walltpurg (späteren Reichsfürsten von Waldburg). Sie sind die nachweisbar vier ältesten deutschen Adelsfamilien, die heute noch Namensträger haben. Alle Familien der 114 übrigen Ritter der Liste sind heute ausgestorben.

 

Die Stain gehören also noch zu den ganz wenigen altalemannischen Adelsfamilien aus dieser Zeit vor Karl dem Großen (747 - 814). Sie waren rund 350 – 400 Jahre, also 12 – 14 (!!) Generationen älter als die meisten anderen, damals schon alten Adelsfamilien.

 

Die Familien der Welfen, Wittelsbacher, Hohenlohe, Öttingen, Urach, Fürstenberg, Habsburger, Württemberger und Hohenzollern sind erst einige, zum Teil viele Generationen später aufgetreten. Zwar gibt es bei allen diesen Familien vielerlei Legenden um ihren Ursprung. Sogar die vier sog. „Feilenforster“ Familien (Gundelfingen, Königsegg, Stain und Waldburg) haben versucht, ihr schon enorm hohes Familienalter durch Legenden noch weiter zu erhöhen. So werden die Stain als Abkömmlinge der Herzöge von Schwaben (451 – 746) gesehen, was sehr plausibel erscheint, weil diese ihren sehr großen Stammsitz Burg Altenburg (von den Karolingern völlig zerstört) bei Obermarchtal nur 800 m entfernt von der ebenfalls mächtigen Stammburg der Stain in Stain (auch Stein) an der Donau (heutiges Rechtenstein), die urkundlich belegt schon im 8. Jahrhundert vorhanden war, haben.

 

So nennt im Jahre 800 das Freiburger Diözesanarchiv (3. Bd.) Ritter Adalhart Stain und seine Gemahlin Ada ausdrücklich auf deren Stammsitz Stain (auch Stein) bei Obermarchtal. Adalhart Stain hat 805 auch die Urkunde des Klosters St. Gallen als Zeuge gezeichnet, mit der die Grafen Chadaloh und Wago dem Kloster Ländereien vor allem auf dem und im Gebiet des von Rechtenstein zwei Kilometer entfernten Bussenbergs vermachten (Originalurkunde Nr. 161 in Bd. I vom Kloster St. Gallen aufbewahrt).

 

Der 885 – 888 geborene Heinrich Stain fällt 922 als „Kriegshauptmann“ in der Schlacht von Mühlhausen. Er wird von fast allen, vor allem den wichtigsten Adelsforschern als Stammvater angesehen. Ab dann treten viele Vertreter des Geschlechts auf, deren Erscheinen ebenso jeweils urkundlich belegt ist. Ulrich I, Seifried, Anselmus und Egolphus waren Ratgeber der alemannischen Gaugrafen. Dietrich I. und Ernst I. waren 950 bis 995 Ritterführer, wie denn die Stain später Jahrhunderte die Vorsitzenden der reichsfreien Ritterschaft an Donau, Kocher und Lauter waren. Schon in der Zeit vor 1000 bis hinein in die Neuzeit haben die Herren und späteren Freiherren und nochmals späteren Reichsfreiherren und Reichsgrafen von Stain zum Rechtenstein eine sehr lange Reihe von Kanzlern (zweimal Kanzler von Österreich), Ministern, Bischöfen, Äbten, Militärführern und Diplomaten gestellt. Ihre Besitzungen stellten lange Zeit die größte Machtkonzentration einer einzelnen Familie in Schwaben dar, nämlich die Orte Rechtenstein, Reichenstein, Klingenstein, Stadion, Hipoltstein, Stein a. Kocher, Niederstotzingen, Ichenhausen, Jettingen, Uttenweiler, Emmerkingen, Offingen, Heimsheim (Schleglerkönige), Steinach, Ronsperg und 21 (!) weitere. Dies ging soweit, dass sie Fehden mit mehreren Landesherren, Fürsten und Städten (u. a. sogar Fehdebriefe der Stain gegen Nürnberg und Regensburg) führten.

 

Zahlreiche Heiraten brachten den Stain zusätzlich großen Einfluss. Einige Beispiele: Der Reichsfreiherr Phillip von Stain heiratete 1503 die Tochter Ursula des reichen Ulrich Fugger. – Marianne Stain (1717 – 1762), Tochter der Maria Reichsfreiin von Stain, Gemahlin des Grafen Kolowrat, heiratete den berühmt-berüchtigten kursächsischen Kanzler Heinrich Reichsgrafen von Brühl, den großen Gegenspieler des Preußenkönigs Friedrich des Großen. – Ihre Nichte Franziska Stain wurde mit dem polnischen Fürsten und Kriegsminister Sulkowsky verheiratet. – Maria Anna Gräfin von Hohenfeld, Tochter des Franz Grafen von Hohenfeld und seiner Gemahlin Maria Anna, geb. Reichsfreiin von Stain, heiratete 1785 in Wien den bei weitem größten Grundbesitzer Europas, den unermesslich reichen 6. Fürsten Anton von Esterházy.

 

Bei diesem günstigen Familienhintergrund der Stain konnten die Ichenhausener (ab 1574) mit einer besseren Zukunft rechnen. Aber dies änderte sich leider schon nach zwei Generationen: 1618 begann infolge der Reformation der schreckliche Dreißigjährige Krieg, der nochmals die Greueltaten des Bauernkrieges von 1525 mit den grausigen Verwüstungen und dazu noch die Pest nach Ichenhausen brachte. 1627 – 1634 verloren 473 Ichenhausener ihr Leben entweder im Krieg oder durch Krankheit.

 

1582 hatte der Sohn Bernhards III., Andreas Stain, mit seiner Gemahlin Maria Freiin von Hornstein die Linie Stain-Ichenhausen gegründet. Er und sein Sohn Bruno regierten von 1582 bis 1652 als Alleinherren. Die Söhne des Letzteren, die Brüder Johann Joachim und Johann Andreas teilten sodann Ichenhausen in zwei Herrschaften, den oberschlossigen und den unterschlossigen Ortsteil, jeweils mit eigenen Verwaltungen. 1784 wurden die beiden Ortsteile wiedervereinigt, was auf dem großen Bild im Saal des Unteren Schlosses, einem Geschenk, das von Franz Reichsfreiherren von Stain zum Rechtenstein 1952 an die Stadt Ichenhausen wiedergegeben wurde. 1808 fiel die Ortsherrenschaft durch Erbschaft an die Brüder Franz Leopold Stain zum Rechtenstein, Vizepräsident des kaiserlichen Standesgerichts in Rottweil, und seinen Bruder Marquard Ferdinand. Insgesamt hat es 14 regierende Herren der Stain gegeben.

 

1805 wurde das heutige Schwaben nach 504 Jahren Zugehörigkeit zu Österreich bayerisch. Die Machtfülle der Ortsherren erlosch am denkwürdigen 30. September 1848. Damit wurde die Pflicht der Einwohner Ichenhausens zur Abgabe höherer Steuern und höherer Abgaben eingeführt.

 

Trotz der nochmals anlässlich der französischen Revolution und ihrer Folgen (1794 – 1805) und trotz der Revolution und trotz der Revolution von 1848 erschienenen Kriegswirren und Verwüstungen konnte die Stain’sche Ortsherrschaft von 1574 bis 1847, also in 273 Jahren, folgende Erfolge buchen:

 

Anlage eines Taufbuchs (1596), Bau einer Synagoge (1687), Neubau des Unteren Schlosses um 22.000 Gulden (1697), Kirchenneubau (1746), Erweiterung der Synagoge (1781), Schaffung eines neuen Gemeindebildes durch Erstellung einer gemeindlichen Abwasserregelung mit Beseitigung aller in der Gemeinde befindlichen Dunggruben (1783), Ermöglichung des Torfstechens (1783), erster vollberufener Rabbiner (1790), Auflassung des Kirchhofs und Verlegung der Grabstätten nach St. Willibald (1805), Einführung der Pockenschutzimpfung (1808), Gemeindelandverteilung (1809), Anlage eines gemeindlichen Grundbuchs (1811), erster jüdischer, vollberuflicher Lehrer (1812), Einführung einer magistratischen Verfassung (1818), Abriss von drei Toren zur freundlicheren Gestaltung des Ortsbildes (1819), amtliche Vermessung des Gemeindegebietes (1823), laufende Erweiterung des Schulwesens, vom Beginn der Ortsherrschaft 1574 bis 1843 Schaffung bzw. Ermöglichung von 290 neuen zusätzlichen Häusern, Erhöhung damit von 110 (im Jahr 1567) um 290 auf 400 Häuser (im Jahr 1843) in der Gemeinde.

 

Erhöhung der Einwohnerzahlen wie folgt: Im Jahr 1574 gab es 110 Christenfamilien mit ca. 500 christlichen Einwohnern und 13 jüdische Familien mit ca. 70 jüdischen Einwohnern, zusammen also rund 570 Einwohner. Im Jahr 1838 gab es 252 Christenfamilien mit ca. 1 600 christlichen Einwohnern und 201 jüdische Familien mit ca. 1 300 jüdischen Einwohnern, zusammen rund 2 900 Einwohner (Steigerung also: mehr als 400 %).

 

Am 15. Februar 1852 bzw. 21. Oktober 1860 verkaufte Gustav Leopold Reichsfreiherr von Stain zum Rechtenstein, der Urgroßvater des Verfassers dieses Artikels, den gesamten Besitz Ichenhausen zu dem sehr niedrigen Preis von insgesamt nur 19.000 Gulden und 2.500 Gulden für das „Hennahaus“ an verschiedene Mittelsmänner der Gemeinde. Er war nach 274 Jahren der letzte Stain´sche Ortsherr in Ichenhausen.

 

Die einstmals sehr erheblichen Grundbesitze und vielen Schlösser der Stain sind Mangels männlicher Erben an andere Familien vererbt worden. Von der früher in Schwaben und Franken so weitverzweigten, mächtigen Familie Stain (zeitweise 32 Linien) sind zwischenzeitlich, was man kaum für möglich halten solle, alle Familienlinien und Familienmitglieder bis auf einen einzigen Namensträger, den Verfasser dieses Artikels, ausgestorben.

 

Es gab also viele glückliche Jahrzehnte, zum Teil sehr glückliche Jahrzehnte in Ichenhausen. Aber es gab auch traurige, zum Teil sogar furchtbare Jahrzehnte für die Marktgemeinde, in denen sich die Ortsherren stets mit all ihrem Einfluss bei den Potentaten der kriegführenden Parteien für die Rechte der Ichenhausener und ihrer Herrschaft eingesetzt haben. Vornehmlich im Gedächtnis der Ichenhausener bleiben aber die vielen segensreichen und glücklichen Zeiten und Tage ihrer Geschichte und seiner Ortsherren.